Protestantische Kirchengemeinde Neunkirchen am Potzberg

Gemeindeblättchen Nr. 96, Februar 2003


Gott schaut auf unser Herz

von Pfarrer Michael Comtesse

Jahreslosung 2003: Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; 
                            der Herr aber sieht das Herz an. 1. Samuel 16,7

Wir haben im vergangenen Jahr viel gesehen und erlebt. Manches haben wir nicht verstehen und durchschauen können. Denn: Wir sehen nur, was vor Augen ist. Das macht uns oft Angst, gerade auch im Blick auf das Neue Jahr, das wie ein unbeschriebenes Blatt vor uns liegt.

Wir sind im vergangenen Jahr vielen Menschen begegnet. Wir denken an die, die mit uns zusammenleben. Kennen wir unseren Ehepartner wirklich? Wissen wir, was unsere Kinder denken und was sie bewegt? Und umgekehrt: Fühlen wir uns verstanden? Auch hier gilt oft: Wir sehen nur, was vor Augen ist. Diese Erfahrungen haben die Menschen aller Zeiten gemacht. Die Jahreslosung setzt eine andere Erfahrung daneben: "Der Herr aber sieht das Herz an" .

Im 1. Samuelbuch beginnt ein neues Kapitel in Israel. Es ist die Geburtsstunde des Königtums. Samuel salbt Saul zum ersten König. Doch Saul ist nur eine Figur des Übergangs. Weil er Gottes Willen nicht folgt, wird er von ihm verworfen. Samuel erhält den Auftrag, einen neuen König zu salben. Im 1. Samuelbuch, Kapitel 16 wird in den ersten Versen erzählt, wie die Wahl Gottes für alle Beteiligten überraschend auf David fällt. In diesem Zusammenhang stehen die Worte der Jahreslosung. Nicht Eliab, Abinadab, Schamman und vier weitere Söhne Isais werden erwählt, sondern der Jüngste: David, der die Schafe hütet. "Er war bräunlich, mit schönen Augen und von guter Gestalt". Aber keineswegs so groß gewachsen wie Eliab und in der Erbfolge an letzter Stelle. Gott hat seine eigenen Kriterien für seine Wahl. Er entscheidet nicht nach der äußeren Erscheinung. Er wählt gerade den aus, der nichts aufzuweisen hat, was ihn für andere als König prädestiniert hätte. Sein Prinzip ist - so fasst es später Paulus zusammen: "Was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist" (1. Kor. 1,27). Deshalb kommt sein Sohn als ein kleines Kind in einem ärmlichen Stall zur Welt. Deshalb stirbt Jesus mit zwei Verbrechern einen grausamen Tod am Kreuz. Damit erkennbar und erfahrbar wird: "Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig" (1. Kor. 12,9). Gott sieht uns mit den Augen der Liebe an. Seine Liebe hat in Jesus Hände und Füße bekommen und ist an seiner Person ablesbar. Es ist tröstlich, dass Gott weiß, was mich in meinem Innersten bewegt, welche Probleme ich habe und welche Sehnsüchte mich treiben. Mit meinen Ängsten und Sorgen, mit meinen Schwächen und Problemen bin ich nicht allein. Es ist wichtig, dass in einer Gesellschaft, wie der unseren, in der vor allem die zählen, die Erfolg haben, Geld verdienen, jung und attraktiv sind, diese andere Sichtweise Gottes zur Sprache kommt und auch wahrgenommen wird. Niemand von uns muss sich klein, nutzlos und unbedeutend fühlen. Jeder ist von Gott geliebt, angenommen und wertgeschätzt. Diese Zusage Gottes gegenüber uns Menschen gilt jedem von uns. Vor jeder Leistung, vor jedem verdienten Euro, vor jeder öffentlichen Anerkennung steht Gottes "Ja". "Ja, du bist für mich wichtig, du bist etwas wert" . Weil Gott mich ansieht, bin ich eine angesehene Person!

Dass Sie im Neuen Jahr dieser Lebenszusage Gottes von ganzem Herzen vertrauen können, das wünscht Ihnen

Ihr Michael Comtesse, Pfarrer

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