Protestantische Kirchengemeinde Neunkirchen am Potzberg

Gemeindeblättchen Nr. 105, August 2004


"Mich gibt es nur einmal"

Sommer, Sonne und der Frust im Schwimmbad

von Pfarrer Michael Comtesse

Willkommen in der Gemeinde

Wenn der Sommer es uns erlaubt und wir können baden gehen im Schwimmbad hier oder am Urlaubsstrand, dann begegnen sie mir wieder in Scharen: Frauen mit der perfekten Bikinifigur und Männer mit breiten Schultern und einem Waschbrettbauch darunter - sorgsam gestylt im Fitness-Studio und nahtlos gebräunt auf der Sonnenbank.

Jede und jeder für mich eine Aufforderung, meine "Bürokugel" unterhalb des Brustkorbes fluchs einzuziehen. Mal ehrlich: Wer kann sich dem Wunsch nach einem ansprechenden Äußeren schon gänzlich entziehen? Aber bisweilen fällt mir eine aufrichtige Bewunderung schon recht schwer und empfinde ich eher Mitleid, dann, wenn aufwendiges Fitness-Martyrium oder gar chirurgische Nachhilfe zu offensichtlich sind.

Mit solch einer Bewertung scheine ich jedoch eher allein zu stehen. Der moderne Mensch ist zunehmend darauf aus, den eigenen Körper einem straffen Idealbild anzunähern. Individualität scheint in der globalisierten Welt eher zu einem zu beseitigenden Makel zu werden.

Nach biblischer Überlieferung hat Gott den Menschen nach seinem Bild geschaffen.

Das heißt für mich auch: Er hat jedem von uns von Geburt an seine eigene Schönheit gegeben. Eine unverwechselbare Persönlichkeit, die keinerlei Verbiegungen nötig hat. Jeden von uns gibt es halt nur einmal. Mag sein, dass Fitnesskultur und übersteigertes Körperbewusstsein noch eine gewisse Zeit lang den Ton angeben werden in der Unterhaltungsindustrie und den "Vorbildern", die sie uns verkauft.

Aber früher oder später wird sich hoffentlich dann doch die Einsicht durchsetzen, dass es wenig spannend ist, wenn jedes Mädchen wie Britney Spears und jeder Mann wie Arnold Schwarzenegger aussieht. Gelassenheit wird sich hoffentlich wieder einstellen und wohl auch noch manch anderes Schönheitsideal. Hoffentlich dann auch gepaart mit etwas mehr Ausgewogenheit zwischen Körper und Geist.

Daran zu arbeiten wäre in der Tat ein lohnendes Ziel.

Einen entspannten Sommer wünscht Ihnen

Ihr Michael Comtesse

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