Protestantische Kirchengemeinde Neunkirchen am Potzberg

Gemeindeblättchen Nr. 106, Oktober 2004


Macht Geld glücklich?

... oder was sonst?

von Pfarrer Michael Comtesse

Geld

Es gibt Leute, die haben alles: Ein großes Haus mit dickem Auto davor und offensichtlich viel Geld. Sie können sich viel leisten - und doch sieht man ihnen an, dass sie nicht zufrieden sind.
Vom Umgang mit anderen halten sie sich fern. Mit den Nachbarn liegen sie im Streit. Nach mehrfachen unangenehmen Erfahrungen machen die Sammlerinnen für das Gustav-Adolf-Werk einen Bogen um ihr Haus. Und wenn man ihnen auf der Straße begegnet, gucken sie einen mit nach unten gezogenen Mundwinkeln brummig an - wenn sie einen überhaupt angucken.

Und da gibt es welche, die haben offensichtlich wenig: Ihr Haus ist klein, oft ohne Auto, vielleicht beziehen sie nur eine kleine Rente. Sie können sich wenig leisten und doch sind sie offensichtlich zufrieden. Sie sind mit unter denen, die immer wieder bereit sind, ein paar Stunden für einen ehrenamtlichen Einsatz dranzuhängen. Sie haben Freunde, auf die sie in Notlagen zählen können. In ihrem Haus fühlt man sich willkommen. Ihr offener Blick läd, wenn man ihnen begegnet, ein, anzuhalten, um mit ihnen ein paar Worte zu wechseln.

Jeder könnte Personen, die zu der einen oder anderen Gruppe gehören, beim Namen nennen.

Warum ist das so? Diese Frage beschäftigt mich seit meiner Zeit als Missionar in Afrika.
Da bin ich so vielen Menschen begegnet, die wenig hatten, oft kein festes Dach über dem Kopf und die nicht wussten, von was sie morgen leben werden. Die aber eine zu Herzen gehende Fröhlichkeit ausstrahlten. Die für einen Besucher eines ihrer wenigen Hühner schlachteten und in der Nachbarschaft Lebensmittel borgten, um ihn bewirten zu können.
Und es gab in den Städten dort auch Reiche, die sich hinter hohen Mauern verschanzten.

Die Bibel sieht den Grund für diese verschiedenen menschlichen Typen in ihrer religiösen Grundhaltung. Sie stellt den Vögeln unter dem Himmel, die nicht sähen und doch leben und den Lilien auf dem Felde (Matth. 6), die von Gott ohne eigenes Zutun mit einer wunderschönen Gestalt beschenkt wurden, den reichen Kornbauern gegenüber, der aufgrund seines großen Reichtums glaubt, nun fehle ihm nichts mehr im Leben, zu dem Gott aber sagt: "Du Narr! In dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann gehören,was du angehäuft hast?" (Luk. 12,20).

Wenn die Bibel sagt: "Geben ist seliger als Nehmen" (Apg. 20,35), dann rührt sie an diesem Geheimnis glücklichen und erfüllten Lebens. Dann will sie sagen: Das, was dein Leben erfüllt und glücklich macht, das, was deinem Leben letztlich seinen Sinn gibt, das kannst du dir nicht erwirtschaften und durch Raffen "verdienen". Das wird dir alles ohne dein eigenes Zutun von Gott geschenkt. Und der, der dieses Geheimnis des Lebens begriffen hat, der kann voll Dankbarkeit froh und glücklich leben, denn er weiß:
Es ist für mich gesorgt. Der gibt von dem, was er hat, dann auch gerne und froh ab an andere und macht die Erfahrung, dass Geben reicher und glücklicher macht.

"Geben ist seliger als nehmen". Und wenn du gibst, dann soll die Linke nicht wissen, was die Rechte tut. Warum? Es geht nicht um das, was du gibst und wieviel. Es geht darum, dass du gibst, dass du offen bist für Andere.

Sich etwas schenken lassen und sich selbst verschenken, das ist der Stoff, aus dem das Leben gemacht ist.

"Geiz ist geil" , meinen manche.
Ich sage: "Großzügig ist göttlich".

Es grüßt Sie

Ihr Michael Comtesse

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