Protestantische Kirchengemeinde Neunkirchen am Potzberg

Gemeindeblättchen Nr. 107, Dezember 2004


"Das Licht scheint in die Finsternis..."

Unsere neuen Paramente

von Pfarrer Michael Comtesse

Parament

Ein Gemeindeglied hat neue Paramente, das sind Tücher in den Farben des Kirchenjahres, die vor dem Altar oder der Kanzel hängen, für die Kirchen in Gimsbach und Neunkirchen gefertigt und gestiftet. Mit tausenden feinen Stichen hat sie nach einer Vorlage ein Parament in der Kirchenfarbe "weiß" kunstvoll gestickt. Die Farbe "weiß" ist den Christusfesten vorbehalten, also vorwiegend Weihnachten und Ostern.
Für diese beiden Feste lässt sich das Motiv auch deuten.

Für Weihnachten:
"Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell", weissagt der Prophet Jesaja (9,1).

Das Motiv ist in einen schwarzen Rahmen eingefasst Schwarz, die Farbe der Nacht und der Gottesferne (Karfreitag). Er erinnert an die dunklen Nächte und Zeiten, wo wir nicht aus, noch ein wissen, uns von allen vergessen meinen und uns selbst von Gott verlassen glauben. Zeiten des Abschiedes von einem geliebten Menschen, von einer Hoffnung, Zeiten von Versagen, Sorgen und Angsten, die uns quälen.

Doch: In der Mitte der Nacht ist der Anfang eines neuen Tags. Er kündet sich sacht an in einmn sanften Beige und einem zarten Grün (Trinitatiszeit). Er verstärkt sich in verschiedenen Rottönen (Pfingsten und Kirchenfeste) und in violett (Advent und Passions-zeit) bis am Ende des langen Tunnels der Stern von Bethlehem in gold gefasst auf leuchtend weißem Grund aufstrahlt.

Er erinnert an das Wort am Anfang des Johannesevangeliums: "Das Licht scheint in der Finsternis, aber die Finsternis hat's nicht begriffen".

So führt uns das Parament gleichsam perspektivisch durch das Kirchenjahr. Aber auch für das zweite große Christusfest bietet es eine stimmige Deutung,

für die Osterzeit:
Der Tunnel gleicht dem Ausgang aus einer Grabeshöhle. Der Leichnam Jesu wurde, wie in Palästina damals üblich, an Karfreitagabend in ein Felsengrab gelegt. Als am Ostersonntagmorgen die Frauen am Grab ankammen, um seinen Leichnam zu salben, fanden sie den schweren Stein, mit dem die Grabkammer verschlossen war, weggewälzt. Er, den sie tot glaubten, ist auferstanden. Er hat den Tod besiegt. Er lebt. Am Ende des Ganges der Grabeshöhle scheint das helle Licht des Ostermorgens.

"Ich lebe, und ihr sollt auch leben" ruft Jesus den verzagten Jüngern zu (Joh. 14,19).

Und Paulus schreibt:
"Christus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium" (1. T1.1,10).

Für diese beiden so kunstvoll und mit viel Liebe und Mühe gefertigten Paramente gilt der Stifterin, die ungenannt bleiben möchte, unser herzlichster Dank. In unseren Gottesdiensten an Weihnachten werden wir diese neuen Paramente der Gemeinde erstmalig vorstellen. Dann wird auch durch die eindrückliche Farbgestaltung eine tiefere Erschließung des Motivs möglich sein.
Zu diesen Gottesdiensten lade ich Sie sehr herzlich ein.

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit wünscht Ihnen

Ihr Michael Comtesse

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