Protestantische Kirchengemeinde Neunkirchen am Potzberg

Gemeindeblättchen Nr. 110, Juni 2005


Pfingsten - der Geist des Verstehens

... oder was Sprache mit Liebe zu tun hat

Pfingsten

"Ich verstehe nur noch Bahnhof", seufzte ich, als ein Bekannter versuchte, meinen Computer wieder zum Laufen zu bringen und über Gigabyte, RAM, CD-ROM, Cache usw. sprach. Vielleicht ging es Ihnen ja auch so. Es gibt halt Fachsprachen in der Technik und Wissenschaft, die verstehen nur Leute aus diesem Fach. Das ist nicht schlecht; nur: schlecht wird es, wenn die Fachleute einem Nichtfachmann etwas in ihrer Sprache zu erklären versuchen und dabei ihre Fachsprache benutzen, vielleicht sogar ja absichtlich, damit der Laie voll Hochachtung über das Wissen des Gegenübers etwas hört, aber eben nicht versteht.

"Ich verstehe nur noch Bahnhof", das kann aber oft auch ein Stoßseufzer sein, wenn man manchem Politiker oder Wirtschaftsboss im Fernsehen zuhört. Da wird von "Verschlankung" gesprochen und "Personalentlassung" gemeint, da sagt jemand "freisetzen" und meint "kündigen", spricht von "negativem Wachstum" und meint "Verlust", redet von "Entsorgungspark" und meint "Atommülllager".

Die Sprache dient dann nicht mehr der Verständigung, sondern dazu, die Gedanken zu verbergen. Sie ist eine Art Nebelwand, hinter der man die wahren Absichten oder die eigene Ratlosigkeit verbirgt.

Die Pfingstgeschichte in der Bibel erzählt in dem zweiten Kapitel der Apostelgeschichte davon, dass eine der wichtigsten Wirkungen des Geistes Gottes die ist, dass alle das Reden der Apostel verstehen, die Sprache wieder das ist, was sie zuallererst doch sein soll, nämlich ein Verständigungsmittel. Das gelingt auch deswegen, weil der Geist Gottes ein Geist der Liebe ist. Denn, dass sich Menschen nicht mehr verstehen, obwohl sie die gleiche und eine verständliche Sprache reden, liegt ja oft daran, dass sie einander nicht (mehr) lieben oder schätzen.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie dies in unserer Gemeinde erleben können, dass Sie verstehen und dass Sie verstanden werden, dass Sie auch mutig nachfragen, wenn Sie etwas nicht verstehen und geduldig zuhören können, wenn Sie jemanden auf Anhieb nicht verstehen. Denn dann ist der Geist Gottes in unserer Gemeinde lebendig. Und mehr brauchen wir eigentlich nicht.

Dass der Geist Gottes auch unter uns offene Ehrlichkeit fördert und uns in Bewegung bringt, das wünscht Ihnen

Ihr

Michael Comtesse

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