Protestantische Kirchengemeinde Neunkirchen am Potzberg

Gemeindeblättchen Nr. 112, Oktober 2005


Halloween - was soll denn das?

Über Sitten und Gebräuche

Halloween

Vor einigen Jahren habe ich noch den Kopf darüber geschüttelt, aber nun mache ich mir doch so langsam meine Gedanken: Halloween dringt immer mehr in die Vorstellung unserer Kinder und auch so mancher Erwachsener ein.

In unserer aufgeklärten Zeit - aber ist sie denn wirklich so aufgeklärt? - wird ein heidnisches Fest gefeiert, ein Brauch, der zur Vertreibung der bösen Geister von den auf den britischen Inseln und in Irland vor zweitausend Jahren lebenden Kelten überliefert ist. Im irisch-angelsächsischen Volksglauben ist dieses am 31. Oktober gefeierte Fest weiterhin - ins Christliche gewendet - tief verwurzelt und von dort über die irischen Auswanderer in die USA gelangt. Aus den USA kommt der Brauch nun kommerzialisiert und sinnentleert nach Mitteleuropa zurück.

Nun kann man mit gutem Grund darüber klagen, mit welcher Durchschlagkraft, Gebräuche, die für ein bestimmtes Lebensgefühl stehen, aus der Neuen Welt kommend im Alten Europa übernommen werden. Denn in der Tat, wer wusste denn vor zehn oder fünfzehn Jahren, was Halloween ist?

Aber noch beklagenswerter finde ich, dass durch den frisch importierten Halloween einheimische Bräuche und überlieferungen vernachlässigt werden.
Vor dreißig Jahren waren, nicht nur hier bei uns im ländlichen Raum die Kirchen zum Erntedankfest gut besucht. Erntedank hatte seinen festen Platz im Festkalender eines Großteils der Bevölkerung.
Nun, es existieren mancherorts noch die traditionellen Martinsumzüge, auch wenn kaum noch gesungen wird. Aber so mancher höhlt nun doch einen Kürbis aus, anstatt liebevoll eine Laterne zu basteln.

Und wenn die maskierten Kinder an Halloween bei uns vor der Türe stehen und: "Gib mir Süßes oder Saures" bitten - ich wollte einem einmal eine saure Gurke geben, da schaute er in der Tat sauer - was ja ursprünglich einmal ganz uncharmant: "Gib mir Süßes, sonst gibt's Saures" hieß, dann erinnert mich das an meine Kindheit, wo ich am Nikolaustag mit anderen Jungen, nur anders maskiert, ebenfalls von Haus zu Haus zog und dort allerdings nettere Verse aufsagte wie diesen: "Ich bin der kleine König, gebt mir nicht zu wenig, lasst mich nicht so lange stehn, denn ich muss noch weitergehn".

Es wäre bedauerlich, wenn durch solche Neuimporte, wie Halloween wertvolle Teile unserer Kultur verloren gingen. Denn einen ursprünglichen Bezug zu Halloween haben wir nun mal nicht. Und wer weiß, bald weiß keiner mehr was über Erntedank, den Martinstag oder über Nikolaus. "Ja, und warum feiert man eigentlich Weihnachten?"

Es muss bei uns ja nicht jeder mit einem Tirolerhut oder im Dirndl herumlaufen - aber müssen wir uns wirklich an diesen lauwarmen Kulturverschnitt gewöhnen, obwohl das doch bei uns gar keinen Sinn macht?
Zählt wirklich nur noch, was trendy ist und Kasse macht - so wie die lauwarmen Hamburger, die zwar überhaupt nichts mit der Stadt, deren Namen sie tragen, gemein haben, nicht schmekken und nicht gesund sind, aber fast überall zu haben sind?

Wir feiern in diesem Jahr wieder mit den Kindern des Kindergottesdienstes Erntedank. Dazu lade ich Sie ganz herzlich ein. Und Ihre Kinder und Enkel werden es Ihnen danken, wenn Sie sie beim Martinsumzug begleiten. Und dabei laut singen. So, wie Sie es vielleicht als Kinder getan haben.

Es grüßt Sie

Ihr

Michael Comtesse

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