Protestantische Kirchengemeinde Neunkirchen am Potzberg

Gemeindeblättchen Nr. 114, Februar 2006


Was geht's mir doch so gut...!

Gedanken zur Jahreslosung 2006

Jahreslosung 2006

Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.
Die Jahreslosung beinhaltet eine Zusage für Notzeiten, für Zeiten der Krise, der Veränderung, der Sorge und Angst. In meinem Leben finde ich mich bisweilen unvermittelt in solchen Situationen wieder. Ich spüre dann dieses komische Gefühl im Bauch, wenn Neues und Unbekanntes sich bedrohlich vor mir auftürmen; ein Gefühl von Unsicherheit, Angst, überfordert zu werden, Druck. Meine Ängste, es nicht zu schaffen, zu scheitern, am Ende allein dazustehen. Da tut diese Zusage gut:
Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.
Gott hält zu mir, auf ihn kann ich mich verlassen.

Die Zusage steht in der Bibel in einer Geschichte, die eine Zeit des Übergangs und großer Veränderung beschreibt. Sie führt zurück in die Anfangszeit des Volkes Israels. Mose hat das Volk Israel aus Ägypten befreit, hat es durchs Rote Meer zum Sinai geführt, vierzig Jahre lang durch die Wüste. Jetzt, am Ende dieses langen Weges, an der Grenze zum gelobten Land, stirbt Mose.

Das Volk steht im Jordantal. Es ist bereit über den Jordan zu gehen, hinein in das gelobte Land, in die Heimat, die Gott versprochen hat. Aber es hat keinen Führer mehr und keinen Mut.

Da spricht Gott zu Josua, dem Diener des Mose, und gibt ihm den Auftrag, den Weg des Mose fortzusetzen. Und Josua hat Angst, denn er hat nun nicht mehr den breiten Rücken des Mose vor sich. Er soll das Volk anführen, soll es endlich nach dieser langen Wanderschaft ins gelobte Land bringen. Jetzt, so kurz vor dem Ziel, überfällt ihn die Angst vor dem letzten Schritt.

Da hilft nur Segen. Und den bekommt er.
Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.
Das ist ein Wort. Wie ein breiter Rücken, hinter dem man sich ein wenig verstecken kann. Josua ist nicht allein. Das ist die Hauptsache.

Doch das Wort Gottes gilt nicht nur in diesem Ausnahmemoment. Es gilt immer. Gerade auch in den schmerzhaften, den unerwarteten und schwierigen Fällen des Lebens. Dann gilt auch uns die Zusage Gottes. Es ist, als ob er auch uns dann in den Arm nimmt und uns segnet. Was besseres kann mir da doch nicht passieren im Augenblick der Angst. Schaffe ich das? Kann ich das? Ist das nicht zu viel für mich? Bin ich stark genug?

Ja, das bist du, sagt Gott. Ich gehe mit dir. Ich trage ich auch dann, wenn's sein muss. Ich bin bei dir mit meinem Segen.

Segen ist etwas ganz Besonderes. Mit der einen Hand trägt Gott, mit der anderen beschützt er:
Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.

Das sind starke Worte, die das große Versprechen enthalten: du wirst immer auf meine Hilfe vertrauen können. Ich, Gott, bin bei dir. Ich halte und stütze dich. Ich bin mit dir und begleite dich!

Es sind Worte an uns, die uns befreien und ermutigen wollen in den Zeiten der Veränderungen und an den Übergängen unseres Lebens. Worte, die mich befreien wollen von der Meinung, dass ich alles ganz allein in der Hand habe. Die mich ermutigen können, in Zeiten, in denen Überlastung und Resignation mein Leben bestimmen. Denn sie geben mir die Freiheit, meine Augen und Ohren zu öffnen für ganz andere, neue Möglichkeiten, die ich bisher nicht gesehen oder gehört habe, zu neuen Anfängen.

Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.
Diese Zusage erinnert uns immer wieder daran, dass Gott uns nicht allein lässt, uns Geborgenheit gibt, mit uns geht. Was auch immer das Leben bringt, wie auch immer es verläuft. Das ist die Grundaussage über unser Leben. Gott hält uns. Gott ist mit uns. Unser Leben hat einen Grund.

Grundvertrauen, sagen Psychologen, brauchen Menschen, damit sie gesund und sicher durchs Leben gehen können. In allen Lagen vertrauen. Deshalb, so sagen sie, ist es wichtig, dass Kinder die Grundlage für solches Vertrauen erfahren. In frühester Kindheit, noch bevor sie das Leben bewusst wahrnehmen.

Grundvertrauen für unser Leben. Das ist es, was unser Glauben uns gibt. Gott hält uns in seinen Händen. Gott ist für uns da. Wie ein guter Vater, wie eine gute Mutter für ihre Kinder. Wie ein guter Hirte für die Herde. Gott ist da, wenn ich seine Hilfe, seinen Schutz brauche. Nicht, dass er mich vor allen gefährlichen Situationen bewahrt, aber dass er mich da, in der Not, in der Krise, in der Angst, bei den Übergängen in meinem Leben nicht aus den Augen lässt, sondern mich begleitet. Aus Gottes Zusage kann Vertrauen wachsen, das mich durchs Leben trägt. Und daraus dann Zuversicht, für die Schritte, die ich im neuen Jahr gehen muss und gehen kann.

Es grüßt Sie

Ihr

Michael Comtesse

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