Protestantische Kirchengemeinde Neunkirchen am Potzberg

Gemeindeblättchen Nr. 115, April 2006


Karfreitag, ein schwarzer Tag

 

Kreuztragung (Raffael)
Kreuztragung (Altargemälde, Raffael, ca. 1516)
Karfreitag, ein schwarzer Tag, ein Tag, an dem es aussieht, als sei alles für immer zu Ende. Als hätte Gott eingesehen, dass es keinen Wert hat mit seinen Menschen, dass es zu nichts führt. Sie lieben ihn nicht, sie loben ihn nicht. Was soll es also?

Jesu Leben endet am Kreuz von Golgatha. Viele haben dazugeholfen, dass es so weit kommen konnte. Erinnern wir uns, es war ein Weg mit einigen Stationen.

Da ist zuerst der Verrat. Nachts, wenn die Blicke nicht weit reichen, ziehen sie aus mit Schwertern und Stangen. Ein Freund küsst und verrät. Verraten werden tut weh. Besonders, wenn es ein Freund ist.

Herr, erbarme dich aller, die verraten, indem sie küssen, die zerstören, woran doch eigentlich ihr Herz hängt.

Dann ist Jesus gefangen. Ausgeliefert seinen Feinden, in Fesseln gelegt von Willkür und Macht. Immer wenn man jemanden bräuchte, sind nur welche da, die gaffen, statt zu helfen.

Herr, erbarme dich aller, die ohnmächtig und schwach sind, die von Menschen bedrückt werden oder von ihren Süchten geknebelt.

Eine dritte Station: Jesus schweigt. Zur Rede gestellt, sagt er kein Wort. Reden führt manchmal nicht weiter. Jedes Wort wäre zuviel.

Herr, erbarme dich aller, denen es die Sprache verschlagen hat, denen das Leid die Luft abdrückt.

Dann wird Jesus ans Kreuz geschlagen. Jeder Schlag trifft. Gnadenlos. Jesus hat nichts mehr, nur Schmerzen.

Herr, erbarme die aller, die in die Ecke gedrängt und aus dem Weg geräumt werden.

Und Herr: bringe zurecht, die Handlanger des Todes sind.

Unter dem Kreuz weinen Frauen um Jesus. Die Männer sind fast alle abgehauen. Menschen weinen und klagen und es ändert nichts.

Und schließlich ist es vollbracht. Jesus stirbt. Verworfen von allen, Gott getreu bis in den Tod.

Ein Schrei zerreißt die Luft und dann ist er drüben in der anderen und besseren Welt.

Was bleibt von ihm, verrichten die Totengräber. Erde zu Erde, Asche zu Asche.

Herr, erbarme dich, lass die Erde fruchtbar werden und aus der Asche neue Funken schlagen.

Zerbrochene Liebe muss nicht zerbrochen bleiben, wer einsam ist, der soll es nicht mehr sein, denn das Geheimnis der Liebe ist größer als das Geheimnis des Todes. Vielleicht können Sie daran glauben. Das wünsche ich Ihnen zu Ostern

Ihr

Michael Comtesse

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