Protestantische Kirchengemeinde Neunkirchen am Potzberg

Gemeindeblättchen Nr. 125, Dezember 2007


Worauf warten Sie?

 

Bahnhof
Im absoluten Halteverbot am Bahnhof stand das Auto. Als der Ordnungsbeamte den Strafzettel schreiben wollte, sieht er den Mann am Steuer des Wagens. Er klopft an das Fenster. Der Mann - ein Religionslehrer - schreckt aus seinen Gedanken auf und kurbelt die Scheibe herunter. Der Polizist fährt ihn an: "Worauf warten Sie denn hier?" Darauf der Mann, noch in Gedanken vertieft: "Ich warte auf das Reich Gottes." Der Beamte muss ihn ziemlich entgeistert angesehen haben und ist dann kopfschüttelnd weitergegangen. Sogar das "Knöllchen" hat er vergessen.

Ein paar Jahre liegt das schon zurück, dass ich diese Geschichte erzählt bekommen hatte. Aber sie war so befremdlich-einmalig, dass sie mir nicht aus dem Kopf gegangen ist. Und ich finde sie erhellend - gerade für die Adventszeit: die Zeit des Wartens auf das Kommen Jesu.

Worauf warten Sie eigentlich? Ich habe den Eindruck, die meisten warten auf gar nichts. Man versucht den Stress in der Zeit vor Weihnachten zu bewältigen - und dann geht es ja auch schon bald wieder weiter im nächsten Jahr. Wer auf nichts wartet, der erwartet auch kaum noch etwas für die Zukunft. Manche sagen vielleicht noch: Ich erwarte ein paar ruhige Weihnachtstage. Kinder erwarten manchmal ungeduldig ihre Geschenke; und viele erhoffen sich weiße Weihnachten.
Aber wer wartet schon auf das Reich Gottes?

In früheren Generationen haben Christen sehnsüchtig auf Gottes Reich gewartet. Paul Gerhard, der unvergessene Liederdichter, dessen wir in diesem zuende gehenden Jahr anlässlich seines 400. Geburtstages besonders gedacht hatten,spricht in seinen eindrücklichen Versen immer wieder seine Sehnsucht aus, im Haus Gottes gut aufgehoben und geborgen zu sein. Gerade in der Zeit des dreißigjährigen Krieges haben die Menschen inständig gehofft, dass endlich Gerechtigkeit und Frieden einziehen. Sie haben dafür gebetet, dass Not und Elend ein Ende haben werden und dass Gott alles in allem sein wird. Und ich glaube, das Hoffen auf das Wiederkommen Jesu hat ihnen gut getan. Sie konnten die Augen aufheben aus den Sorgen und Nöten des Alltags und den weiten Blick bekommen, der dem Leben Hoffnung und Kraft gibt.

Worauf warten Sie?

Ich wünsche Ihnen solche Perspektiven der Hoffnung. Ohne die Sehnsucht nach dem ganz Anderen verkommen wir in unserer Gegenwart.
In der Adventszeit ein freudiges Warten auf den kommenden Erlöser wünscht Ihnen

Ihr

Michael Comtesse

zum Seitenanfang