Protestantische Kirchengemeinde Neunkirchen am Potzberg

Gemeindeblättchen Nr. 129, August 2008


Nachurlaubsgedanken

 

Urlaub

Die Sommerferien sind zu Ende. Damit liegt für viele ihr Urlaub hinter ihnen. Einige haben ihn zu Hause verbracht, andere sind weggefahren, einige weit weg.
Urlaub machen, um einmal so richtig ausspannen zu können. Frei sein, sich erholen können vom Alltag, Abstand vom Berufsleben zu gewinnen, das einen ständig fordert, manchmal auch überfordert und krank macht - das ist es, was die Menschen in der Urlaubszeit suchen. Urlaub sei die schönste Zeit des Jahres, so sagt man.
Urlaub kann aber auch eine gefährliche Zeit sein, nämlich dann, wenn unsere Zeit einmal nicht vollgestopft ist mit Terminen. Wenn wir uns nicht hinter unserer Arbeit verstecken oder gar verschanzen können, wenn beim besten Willen keine Gelegenheit ist, vor sich selbst und auch vor anderen wegzurennen. Wir haben frei und dadurch Gelegenheit, alles das wahrzunehmen und kritisch zu hinterfragen, was sonst in unserem Alltag auf der Strecke bleibt: Die Familie, die Freunde und Verwandten, das Hobby und vielleicht auch unsere Beziehung zu Gott.
Wenn man faul im Liegestuhl liegt und eigentlich garnichts tun will, dann kommen oft tief aus dem Bauch Themen hoch, die man noch zu bearbeiten hat. Oder wenn man auf die Weite des Meeres blickt. Aus der Leere und der erahnten Tiefe können dann untergründig viele Fragen auftauchen, die die Psyche erst einmal nach Ankerplälzen Ausschau halten lässt. Da merken wir, dass wir einiges ändern müssten, dann, wenn wir uns nicht überfordern, sondern gesund bleiben wollen und zwar an Körper, Geist und Seele.
Oder wenn man als kulturhungriger Tourist durch berühmte Kirchen und Museen streift, dass man dann, ohne dass man es eigentlich will, sein eigenes Leben in Verhältnis setzt zu dem, was man da sieht und man sich fragt, was kann ich, was bin ich geworden, was könnte ich sein und wer hätte ich werden können?
Aber wie das so ist mit guten Vorsätzen: ist der Urlaub erst vorbei, dann sind auch die gerade gefassten guten Vorsätze schnell wieder vergessen. Wir fallen In unseren gewohnten Trott und alles bleibt beim Alten. Der Geist war willig, aber das Fleisch ist schwach.
Was bleibt ist die Sehnsucht nach Freiheit, nach grundlegender Veränderung meines Lebens mit seinen Zwängen. Schaffe ich es nun in meinem wieder gelebten Alltag diese Sehnsucht nicht zu ersticken, sondern am Leben zu erhalten? Mit dieser in mir schlummernden Sehnsucht kann es mir gelingen, selbstbestimmter und glücklicher zu leben und damit eine bessere Lebensqualität zu gewinnen. Dann liegt die Urlaubszeit nicht abgeschlossen hinter mir, sondern reicht bereichernd in meinen Alltag hinein.
Dann hat sich der Urlaub für mich wirklich gelohnt!
Es grüßt Sie

Ihr

Michael Comtesse

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