Protestantische Kirchengemeinde Neunkirchen am Potzberg

Gemeindeblättchen Nr. 136, Oktober 2009


Unsere Tage zu zählen, lehre uns!

 

Blaetter
"Unsere Tage zu zählen lehre uns! Dann gewinnen wir ein weises Herz",
lesen wir im 90. Psalm. Zählen kann ich, Sie können es auch. Also, was müssen wir denn da lernen? Vielleicht dies, dass wir mit den Regeln des Zählens auch in unserem Leben ernst machen.

Jeder, der zählen kann, weiß:
Nach eins kommt unwiderruflich zwei. Das heißt: Ich kann keinen Tag festhalten, so gerne ich es auch möchte. Den Hochzeitstag nicht und die schönen Sommertage nicht. Wer meint, er können so leben, als sei jetzt noch dieser oder jener Tag, der kommt beim Leben ins Stolpern, so wie der beim Zählen stolpert, der bei einer Zahl hängen bleibt.

Jeder, der Zählen kann, weiß:
Nach eins kommt zwei und nicht drei oder vier. Das heißt: Auch wenn ich es möchte, ich kann keinen Tag überspringen oder sein Vorhandensein leugnen: Tage des Wartens, den Tag, an dem der Arzt die Diagnose sagt, der Tag mit dem schweren Abschied, der mit dem bösen Streit.

Jeder, der zählen kann, weiß:
Die eins ist genauso wichtig wie die zwei oder die drei. Das heißt, wenn ich am Abend seufze und meine, diesen Tag könnte man aus dem Kalender streichen, dann habe ich das Besondere, das Unverwechselbare dieses Tages noch garnicht erkannt.

Jeder Tag zählt, ich muss nur herausfinden: Wie viel und wofür? Aber nun sollen wir ja nicht einfach nur vor uns hinzählen, sondern sollen unsere Tage zählen lernen. Die vergangenen, die bekommen wir schnell zusammen und können sie addieren, doch: Wie weit werde ich zählen können? frage ich mich und ich begreife:
Ich habe es nicht in der Hand, ob ich nur noch bis~ zwei, oder bis tausend oder noch weiter zählen werde. Ich weiß nur: Heute ... diesen Tag ... hast du bekommen - Nummer eins! - Und morgen? Gott allein bestimmt, ob ich weiter zählen kann.

Meine Tage soll ich zählen, weil jeder Tag zählt und ich ertappe mich dabei, in zu großen Maßen zu rechnen... in Wochen - Monaten - Jahren.
Dabei kann ich mich verrechnen, weil ich nicht mit dem Tod rechne. Sicher aber verzähle ich mich, weil dann der einzelne Tag zu wenig zählt, ich ihm zu weinig Bedeutung beimesse.

Meine Tage soll ich zählen, weil ich sie zählen kann: Sie bilden keine unendliche Zahlenreihe - ein Tag wird mein letzter sein. So ist die Zahl meiner Tage begrenzt und dadurch wird jeder Tag wertvoll.
Ob das heut mein letzter Tag ist? Das weiß Gott allein. Mit Sicherheit ist es der erste Tag vom Rest meines Lebens. Und mit Sicherheit ist er mir von Gott geschenkt.
Es stimmt schon: Seine Tage zu zählen lernen, das lässt das Herz weise werden.
Nur: - Lernen müssen wir es, immer wieder.

In unseren Gottesdiensten am Ewigkeitssonntag, dem 22. November, bedenken wir unsere Endlichkeit und sagen Gott die Namen unserer Lieben, die im zuende gehenden Kirchenjahr von uns gegangen sind.
Ich lade Sie zu diesen Gottesdiensten sehr herzlich ein.


Es grüßt Sie

Ihr

Michael Comtesse

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