Protestantische Kirchengemeinde Neunkirchen am Potzberg

Gemeindeblättchen Nr. 141, August 2010


Weiter Raum

 

Weiter Raum
"Du stellst meine Füße auf weiten Raum", bekennt der Beter des 31. Psalms. Weiter Raum unter den Füßen, das wünsche ich Ihnen in diesen Sommertagen.
Der ist ja gar nicht selbstverständlich, jetzt, wo sechs Wochen Schulferien zuende gehen, wo ein, zwei, drei Wochen Urlaubszeit hinter uns liegen, wo wir mal abschalten und die Seele baumeln lassen konnten. Jetzt liegt der Alltag wieder vor uns mit seinen Anforderungen, oft Hetze, Arger, Stress.
Die Woche, die vor mir liegt, wo man wieder so viel auszuwetzen hat. Treppe rauf, Treppe runter, vier Dörfer weiter hin und wieder zurück Und überall Baustellen und Umleitungen. Das ist doch manchmal richtig zum Davonlaufen. Aber davonlaufen geht nicht. Man muss es durchstehen, irgendwie.

Da werden wie beim Fußball schon mal die Räume eng. Man trippelt vor sich hin, dreht seine Runden im Kreis oder im Hamsterrad und fragt sich am Abend: Warum bist du so geschafft? Bist doch gar nicht groß vorwärts gekommen!
Aber in der Bibel steht: Du, Gott, stellst meine Füße auf weiten Raum. Ein wunderbares Gebet, ein Hoffnungschub für Zeiten, wo es eng wird. Wenn einem die Leute den Weg versperren oder wenn man sich selbst im Weg steht.
Du, Gott, stellst meine Füße auf weiten Raum. Ich stelle mir den Raum immer als große Wiese vor, so, wie es so viele gibt hier in unserer so schönen Landschaft. Eine große Wiese mit Blumen und Bäumen und herrlichem Ausblick übers Land. Spielraum. Neue Möglichkeiten. Wir haben ja nur einen begrenzten Horizont Können allenfalls bis zur nächsten Kurve den Weg überblicken. Aber hinter der Kurve, dem Wald, hinterm Horizont geht‘s ja weiter.

Es sind ja nur unsere Möglichkeiten, die zu Ende sind. Und manchmal taucht da doch wie aus dem Nichts etwas Neues auf. Und plötzlich wird der Raum wieder weit. Ein lieber Mensch, der eben mal vorbeikommt. Ein Anruf. Ein Hilferuf. Eine Anerkennung, mit der man überhaupt nicht gerechnet hätte.

Ich freue mich und bin fröhlich, heißt es in diesem Gebet des 31. Psalms in einer neueren Übersetzung weiter. Weil du da bist, mein Gott. Weil du mitkriegst, wenn es mir dreckig geht. Weil du dich um mich kümmerst.
Und wenn es mal wieder so richtig eng wird: du stellst mich nicht in den Senkel. Du stellst meine Füße auf weiten Raum.
Dass Sie mit Zuversicht und Gottver- trauen in die Wochen und Monate, die vor Ihnen liegen, gehen können, das wünscht Ihnen

Ihr

Michael Comtesse

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