Protestantische Kirchengemeinde Neunkirchen am Potzberg

Gemeindeblättchen Nr. 144, Februar 2011


Einladung zum Leben, zu Glück, zum Frieden

Gedanken zur Jahreslosung

 

Losung 2011

Ein neues Jahr hat begonnen. Die Zeit der Rückblicke ist vorbei; wir schauen nach vorn. Die Jahreslosung für das Neue Jahr bietet sich uns als Leitgedanke an: "Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem."
Der erste Teil des Satzes klingt uns vertraut: "Lass dich nicht unterkriegen! Lass dich nicht einschüchtern! Lass dir nicht alles gefallen! Wehr dich! Du hast das Recht dazu! Du hast die Kraft dazu!"

Mit solchen Lebensregeln bereiten heute Eltern ihre Kinder auf den harten Existenzkampf in unserer Leistungs- und Ellenbogengesellschaft bereits in der Schule vor. Denn: Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil. Und: Auge um Auge, Zahn um Zahn, so ist es doch schon in der Bibel zu lesen.
Nur lässt sich so der Frieden bewahren, kann so das Leben geschützt werden?

Paulus sieht das anders. Er kennt die Härten der Wirklichkeit, er leugnet ja nicht das Böse, sondern er nennt es mit Namen. Aber er ist überzeugt: Christen können auch anders. Christen können die Spiralen von Kampf, von Rechthaben und Rechtbehaltenwollen, von Rache und Missgunst durchbrechen. Und warum? Weil Christen nicht nur in jedem Vaterunser Gott um die Erlösung von dem Bösen bitten, sondern weil sie auch wissen, dass die letzte Gerechtigkeit nicht wir hier als Menschenwerk in dieser Welt durchsetzen werden, sondern dass Gott dem Bösen auf Erden Grenzen setzen und Gerechtigkeit durchsetzen wird. Wenn wir uns hineinziehen lassen in den Kampf gegen das Böse, die Erfahrung zeigt uns: Ob es Menschen oder Völker, Rassen oder Staaten sind, die von anderen zu Mächten des Bösen erklärt wurden - Ausgrenzung, Krieg und Vernichtung haben nur immer mehr Böses in die Welt gebracht.

Ganz anders die Erfahrungen aus der jüngsten deutschen Geschichte: Die Leipziger Montagsdemonstrationen bleiben unvergessen. Unzählige Menschen gingen auf die Straße, um gegen eine brutale Diktatur zu demonstrieren. In ihren Händen hielten sie keine Steine, sondern brennende Kerzen. Die Polizei hatte die Anweisung, hart durchzugreifen. Angesichts der vielen Menschen, die da zusammenkamen, fühlten sie sich überfordert. Angesichts all der Lichter, die sie sahen, fühlten sie sich hilflos. Sie blieben still an den Straßenrändern stehen, sie wurden zu Zeugen der friedlichen, gewaltlosen Revolution.
Wenn ich mir von der Gegenseite nicht die Maßstäbe meines Handelns aufnötigen lasse, wenn ich mit Gottvertrauen dem Bösen das Gute entgegensetze, dann gewinne ich ungeheuer große Freiheit. Freiheit in meiner Haltung und in meinem Handeln. Und ich finde in meinem Innersten Glück. Denn wenn ich darauf vertrauen darf, dass Gott dafür sorgen wird, dass das Böse letztlich keine Zukunft hat, ist das für mich ein Grund für eine große und tiefe Dankbarkeit.
Und wenn ich nicht mit gleicher Münze zurückzahle und dem Bösen das Gute entgegensetzen kann, helfe ich dem Anderen, aus seinem Gefängnis von Vergeltung, Rache und Mißgunst auszubrechen. Denn keiner ist, der glücklich damit ist, böse zu sein.
Und dankbar zu sein und anderen zu helfen ist nun einmal der Schlüssel zum Glück. Dass Sie den im Neuen Jahr immer wieder finden, das wünscht Ihnen


Ihr

Michael Comtesse

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