Protestantische Kirchengemeinde Neunkirchen am Potzberg

Gemeindeblättchen Nr. 146, Juni 2011


Himmelfahrtskommando

Gedanken zu Christi Himmelfahrt

 

Himmelfahrtskommando

Sie wissen sicher, was damit gemeint ist, mit einem "Himmelfahrtskommando".
Gemeint ist damit die Übernahme einer Aufgabe - oft militärischer Natur - die wenig Aussicht auf Erfolg hat, aber oft mit dem tödlichen Scheitern des oder der Beauftragten verbunden ist. Kurzum: Wer auf ein Himmelfahrtskommando geschickt wird, kehrt selten zurück.
Das Wort "Himmelfahrtskommando" spielt ohne Zweifel auf die Himmelfahrt Christi an. Die Frage ist nur, ob das, was mit "Himmelfahrtskommando" gemeint ist, überhaupt auf die Himmelfahrt Christi zutrifft, oder ob hier ein Ereignis mit einer völlig falschen Bedeutung versehen wird?
Ist Jesus das erste Himmelfahrtskommando der Geschichte und damit auch einer, der nicht zurückkehrt?

Das Fest Christi Himmelfahrt erfüllt erst mal mit Wehmut und Traurigkeit. Es heißt Abschied nehmen. Ein Abschied, der für die Jünger nicht einfach war und Tränen gekostet hat. Auch für mich ist der Abschied Jesu an Himmelfahrt nicht leicht zu verdauen, weil er meine Vorstellungskraft sprengt und weil ich wie viele Christen damit leben muss, dass ich an jemanden glaube, den ich nicht sehen kann. Also doch ein Himmelfahrtskommando? Bevor ich das beurteile, empfiehlt es sich, auf Jesu Abschiedsworte zu hören, die uns Lukas im ersten Kapitel seiner Apostelgeschichte überliefert:
"Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt."
Das heißt doch: Bleibt hier. Habt Mut zum Abschiednehmen und zum Trauern. Lauft nicht gleich auseinander. Zieht euch nicht ins Schneckenhaus zurück oder stürzt euch in Arbeit und Ablenkung. Sondern wartet, bis der kommt, der euch wirklich trösten kann. Wir müssen die Situation des "Himmelfahrtskommandos" aushalten und gleichzeitig offen sein, für den, der uns trösten kann.
Und es heißt bei Lukas weiter: "Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird." Der, der uns verlässt, lässt uns nicht allein, sendet uns gewissermaßen einen Ersatz. Einen Ersatz, der zu einer bestimmten Zeit nicht nur an einem Ort sein kann, sondern einen, der gleichzeitig bei allen sein kann, überall auf dieser Welt. Der Geist Gottes will unser Begleiter sein, er will uns nahe sein in unserem Leben, will in uns sein, von innen her Kraft geben. Der, der auf ein "Himmelfahrtskommando" geht, bleibt auch bei uns. Das ist etwas ganz anderes, als die oben genannte Deutung meint.

Und ein Drittes: Hören wir auf die Worte der Engel, die sie nach der Himmelfahrt Christi zu den Jüngern sagen: "Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen." Himmelfahrt ist ein Abschied auf Zeit. Jesus wird wiederkommen. Das klingt unglaublich. So unglaublich wie die Nachricht, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Wir wissen nicht, wann Jesus wiederkommt oder wie das sein wird. Aber er wird wiederkommen. Das Versprechen haben wir. Jesus hat seinen Jüngern nicht "Lebewohl" gesagt, sondern "Auf Wiedersehen!"

"Wir sehen uns wieder!" - Nicht vielleicht oder wenn's gut geht, sondern auf alle Fälle, versprochen. Kein Himmelfahrtskommando kann so etwas versprechen, aber der, der in den Himmel aufgenommen wurde, um bei uns zu sein und wiederzukommen, der kann es.

Herzliche Einladung zum Waldgottesdienst auf dem Potzberggipfel am Himmelfahrtstag, dem 2. Juni um 14 Uhr.

Ihr

Michael Comtesse

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