Protestantische Kirchengemeinde Neunkirchen am Potzberg

Gemeindeblättchen Nr. 147, August 2011


... dass du dich wundern wirst ...

Gedanken zum Abschied

 

Weg

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde unserer Kirchengemeinden, dies ist das 147. und letzte Gemeindeblättchen, das ich verfasst habe und das Ihnen zugehen wird. Nach knapp einem viertel Jahrhundert Dienst als Pfarrer und Seelsorger für die Prot. Kirchengemeinden Gimsbach und Neunkirchen trete ich mit Beginn des Monats Oktober in den Ruhestand ein.
Als ich aus dem Kongo kommend, wo ich als Missionar Dienst getan hatte, hier an den Potzberg kam, konnte mein Jüngster noch nicht laufen. Nie hatte ich mir träumen lassen, dass ich so lange hier auf dieser Stelle bleiben würde. Nicht nur familiäre Gründe haben mich zum Bleiben bewogen. Meine Familie und ich sind hier unter Ihnen auch ein Stuck weit heimisch geworden. Ich so sehr, dass ich in meinem Ruhestand Gemeindeglied bleiben werde.
Vieles haben wir in dieser Zeit gemeinsam erlebt und bewegt. Hilfreiche Beziehungen sind gewachsen, anderen bin ich fremd geblieben. Ich habe es nicht allen recht gemacht. Denen, die mit meiner Art nicht zurecht kamen, wünsche ich, dass sie mit einem Nachfolger oder einer späteren Nachfolgerin ein vertrauensvolles Verhältnis und einen neuen Zugang zu unseren Kirchengemeinden und ihren Gottesdiensten finden.
Nach vierzig Jahren Pfarrdienst trete ich nun als der älteste im Dienst sich befindende Pfarrer unserer Landeskirche in den verdienten Ruhestand. Ich bitte Sie, meinen Willen zu respektieren, dass ich dann - auch um der Nachfolger im Amt willen - keine Amtshandlungen wie Taufen, Trauungen und Beerdigungen mehr übernehmen möchte. Ich werde dann, wie man es von anderen Berufen ja selbstverständlich akzeptiert, nur noch Gemeindeglied und Ruheständler sein und die Chancen von persönlichen Freiräumen und geschenkter Zeit zu nützen versuchen.
Für die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit vielen von Ihnen möchte ich mich herzlich bedanken. Verlässliche Beziehungen, die ich hier gefunden habe, haben mich zum langen Bleiben auf dieser Stelle mit bewogen. Es ist mein Wunsch und meine Hoffnung, dass diese Verlässlichkeit hilft, das kirchengemeindliche Leben am Leben zu erhalten in der schwierigen Zeitsspanne, bis ein neuer Pfarrer oder Pfarrerin wieder ins Pfarrhaus einziehen wird. An jedem von uns wird es liegen, was an Zusammenhalt in der Gemeinde und damit auch an einem Stück Lebensqualität in unseren Dörfern möglich sein wird.

Der große Liederdichter Paul Gerhard hat in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges in einem seiner Lieder einen Vers geschrieben, der mir in letzter Zeit oft in den Sinn kommt; in unserem Gesangbuch ist es das Lied 361:
"Ihn, ihn lass tun und walten, er ist ein weiser Fürst und wird sich so verhalten, dass du dich wundern wirst, wenn er, wie ihm gebühret, mit wunderbarem Rat das Werk hinausgeführet, das dich bekümmert hat."
Seinen fürsorgenden Händen seien Sie alle anbefohlen.

Ihr

Michael Comtesse

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